Vor- und Nachteile der kontrollierten Wohnraumlüftung

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Lüftungsgitter im Giebel eines Hauses

Die kontrollierte Wohnraumlüftung, kurz KWL genannt, steht im Gegensatz zur unkontrollierten Wohnraumlüftung. Das ist das, was die meisten Menschen wahrscheinlich machen: Die Fenster oder Türen werden aufgerissen, und der Luftaustausch findet mehr oder weniger unkontrolliert statt. Dass das energietechnisch nicht immer optimal ist, versteht sich von selbst. Die kontrollierte Belüftung von Wohnräumen verspricht daneben aber noch einige andere Vorteile.

Veränderte Wohnsituation: früher und heute

Es ist kein Geheimnis, dass Häuser früher weniger luftdicht waren als heute. Wer in alten Bauten unterwegs ist, bemerkt es: Es zieht. Türen und Fenster schließen nicht dicht, durch den Kamin besteht ein ständiger Sog nach draußen, und insbesondere bei kaltem oder windigem Wetter macht sich das unangenehm bemerkbar.

Früher lebten mehr Menschen auf engem Raum, und trotzdem gab es selten Probleme mit Schimmel oder Feuchtigkeit in den Wohnräumen. Erst als die Häuser gut isoliert wurden, konnte sich die Feuchtigkeit aus der Raumluft an den kalten Außenwänden sammeln und abschlagen, dort siedelt sich der Schimmel an.

Kontrollierte Wohnraumlüftung ist energieeffizient

Das Zauberwort heißt Wärmetauscher. Denn kontrollierte Wohnraumlüftung bedeutet, dass die Wärme, die durch die nach draußen abgeführte Luft verloren gehen könnte, zurück gewonnen wird. Und das macht die KWL so energieeffizient. Aber es gibt noch andere Vorteile, die für die kontrollierte Lüftung und gegen das einfache Fensteraufreißen sprechen.

    • In der Stadt und an stark befahrenen Straßen wird es beim Lüften laut. KWL setzt auf schallisolierte Fenster, die nie geöffnet werden.
    • Eingebaute Filter holen Pollen, Staub und andere Partikel aus der Luft. Die Luft ist also sprichwörtlich sauber, was insbesondere Allergikern und Allergikerinnen zugute kommt.
    • Feuchtigkeit kann sich nicht stauen. Feuchte Luft wird nach draußen abtransportiert, so dass die Luftfeuchtigkeit in den Räumen bei etwa 30 % liegt.
    • Da sich an den Wärmebrücken keine Feuchtigkeit aus der Raumluft niederschlägt, bildet sich auch kein Schimmel in den Wänden oder an Möbeln.
    • Mittels Wärmepumpe oder EWT ist es möglich, die Luft in der Zuleitung im Winter vorzuheizen und im Sommer herunterzukühlen. Das Haus wird also nicht nur belüftet, sondern gleichzeitig klimatisiert.

Gibt es auch Nachteile?

Die Nachteile der kontrollierten Wohnraumlüftung gibt es natürlich. Und seriöse Webseiten, die über KWL informieren, nennen diese natürlich auch. KWL-Systeme sind als nachträglicher Einbau bei vielen älteren Gebäuden nur dann interessant, wenn gleichzeitig dicht schließende Fenster und Türen eingebaut werden und das Gebäude insgesamt gut isoliert wird.

Pfeift weiterhin der Wind durch die Wohnräume, arbeitet die Anlage nicht zuverlässig, denn das Gebäude lüftet sich quasi durch die bestehenden Ritzen selbständig. Ein weiterer Nachteil liegt in den Kosten: Eine solche Anlage gibt es natürlich nicht umsonst. Bei Niedrigenergie– und Passivhäusern ist sie im Gesamtpaket oft schon einbegriffen, bei konventionellen Neubauten unter Umständen nicht.

Handwerker Tipp

Warum treten Schimmelprobleme heute vermehrt auf?

Früher war es insbesondere deshalb trockener in den Wohnungen, weil die Luft nicht so feucht war wie heute (weniger Topfpflanzen, selteneres Wäschewaschen) und die feuchte Luft zudem permanent nach außen abtransportiert wurde.

Zu den Anschaffungskosten kommen Wartungskosten und der Stromverbrauch der Anlage, die unter Umständen durchgängig läuft. Die bereits erwähnte trockene Luft kann Probleme der Atemwege begünstigen. Ein Luftbefeuchtern ist also unter Umständen nötig.

Video: Vor- und nachteile einer KWL

Kein Patentrezept, sondern individuelle Lösungen

Ob sich der Einbau einer kontrollierten Wohnraumlüftung in eine bestehende Immobilie lohnt, welche Art der KWL sinnvoll ist, oder ob doch eher aufgrund der älteren Bausubstanz oder anderer Gegebenheiten auf konventionelles Lüften vertraut wird, ist letzten Endes immer eine individuelle Entscheidung. Denn neben Kosten für Anschaffung und Unterhalt der Anlage sollten auch Aspekte der Gesundheit bedacht werden. Professionelle Beratung findet man sowohl bei den Anbietern von Niedrigenergie- und Passivhäusern als auch bei den Herstellern der Lüftungsanlagen.

Titelbild: ©istock.com – Gmex

 

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Klaus Peters

Klaus Peters, 1970 in Dresden geboren, hat vor 10 Jahren seinen Handwerksmeister an der Meisterschule Hannover gemacht. Seit 2001 arbeitet und lebt der Frauenschwarm als selbständiger Handwerker (Gas & Wasser) in Berlin. Seit sein Sohn ihm vor zwei Jahren das Internet näher gebracht hat, ist der Naturliebhaber und Angler mittlerweile ein passionierter Blogger und Online-Redakteur in seiner Branche. Texte zu den Themen Garten, Möbel, Ein- und Umzug sowie Dekoration und Bau sind sein täglich Brot.

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